Heute gehts mir schon wieder recht gut, die wie oben erwaehnt geplante Reise habe ich verschoben. Was vielleicht ganz gut ist. Heute koennte ich eh nicht fahren: Neben Dieselmangel (eines der Hauptprobleme in ganz Bolivien und besonderns im Tiefland, die Cambas sagen „alles Absicht“) und Wassermangel haben heute auch die Landesregierungen von sechs der neun Bundeslaender Boliviens einen Paro ausgerufen, Generalstreik. Hier machen das nicht die Gewerkschaften um irgendwas zu erreichen, hier macht das gleich die Landesregierung selber um gegen die Staatsregierung zu protestieren, fuer die Leute glaub ich ist das wie ein extra Feiertag. Seit ich da bin ist das der zweite Paro. Nutzen tut es niemanden, man muss sich vorstellen, wenns vielleicht 250 Arbeitstage im Jahr gibt, und davon auch nur 4 durch Paro ausfallen, ist gleich 1% des Wirtschaftswachstums dahin.
Jetzt gerade protestieren sie aber nicht etwa gegen irgendwetwas. Jetzt gehts richtig zur Sache. In Sucre, der offiziellen Hauptstadt hat es schon einige Tote gegeben, ein paar Demonstranten und dann ist auch noch ein Polizist gelyncht worden. Das ist ziemlich schraeg, hier im Tiefland bei den Cambas hat man das Gefuehl Bolivien sei das ruhigste, friedlichste Land, dabei brodelt es gewaltig, auch hier. Es ist sehr schwer durchschaubar was da wirklich passiert.
Grundsaetzlich ist dieses Land einmal sehr zweigeteilt. Da gibt es die Cambas im Tiefland (Oriente, Medialuna—Halbmond, wegen der Form), dort wo ich bin, dann gibts die Collas im Hochland, Occidente, das sind die bekannten Quechua und Aymara. Die Cambas haben viel weniger von ihrer alten Stammeskultur erhalten. Die meisten Leute hier sehen sich nicht als zB. Chiquito oder Guarani, sondern als Camba. Die Guarayas in Urubicha etc bilden da, wie schon erwaehnt eine ausnahme. Camba heist „Freund“ und ist kein Rassenname sondern ist ein Sammelbegriff fuer alle Tieflandbewohner, die sich viel mehr mit den Spansichen Abkoemmlingen vermischt haben.
Bolivien ist also eigentlich nicht ein Land, es ist wie zwei ganz verschiedene Laender mit zwei grossen Kulturbereichen und verschiedenen Klimazonen. Ich bin hier im tropischen Tiefland, wo es fast immer warm ist und alles ueppig gedeiht, die Leute sind sehr locker, arbeiten nicht zu viel und sind sehr offen. Das Land bringt sie schon irgendwie durch und so lebt sichs recht angenehm.
Die Hochlaender hingegen leben in einer sehr kargen, kalten, harten Umwelt, muessen hart arbeiten und sind ein hartes leben gewohnt. Die alten Vorstellung sind bei den Collas noch sehr verankert, vor allem die Aymara, der Praesident Evo Morales ist einer, sind beruechtigt fuer ihre Blut und Land Theologie (Die mich in ihrer jetztigen Auspraegung immer mehr an den Nationalsozialismus erinnert, da wird eine Vergangenheit propagiert an die es anzuschliessen gilt die es aber nie gegeben hat. Wie die Nazis mit ihren Germanentum und der schraegen Ureistheorie wo irgendwo in Tibet ein Komet runtergekommen ist etc etc...esoterisch und gefaehrlich. So wird hier auch oft geredet: Die Kirch wurde uns aufgezwungen, und hat uns etwas weggenommen das viel maechtiger und besser war, dahin muessen wir wieder zurueck, unser Blut).
Was jetzt die historische Entwicklung in dem Konflikt zwischen Hochlaendern und Tieflaendern, Collas und Cambas ist, weiss ich noch nicht. Auf jeden Fall ist es gefaehrlich, zwei so unterschiedliche Volksgruppen in ein Land zu Pressen, auch wenn das Land 13 mal so gross ist wie Oesterreich und gleich viele Einwohner hat. Was in den letzten Jahren passiert ist: Lange war das Hochland das wirtschaftlich aktive Zentrum Boliviens, seit einigen Jahrzehnten hat sich das aber immer mehr verlagert von La Paz(Occidente) nach Santa Cruz (Oriente), besonders durch grosse Erdoelfunde schon in den Dreissigerjahren und riesigen Erdgasfunden in den letzten Jahren.
In Folge wurden viele Hochlaender ins Tiefland umgesiedelt. Das ist schon mal eines der grossen Probleme. Die Hochlaender behalten ihren Lebenstil bei und arbeiten hart, haerter, arbeiten sich hinauf und ueberfluegeln bald die Tieflaender. Die Collas haben bald ein Auto waerend die meisten Cambas da lange drauf warten muessen. Da ist schon ein gewaltiges menschliches Aggressionspotential vorhanden.
Dazu kommt, dass die Presidenten bis jetzt fast alle Collas waren. Der Oriente wird ziemlich geschroepft. Hier sagt man das 70 % des BIP im Oriente erwirtschaftet wird, aber nur 30 % der Steuergelder hierher zurueckfliessen. Das wird von den Menschen natuerlich als grosse ungerechtigkeit angesehen und auch auf die ethnischen Spannungen zurueckgefuehrt.
Vor einem Jahr ist dieser Konflikt eskaliert.
Da war eine grosse Vollversammlung oder Kundgebung (Cabildo) aller Cambas in Santa Cruz angesetzt, eine Million Menschen sind gekommen. Auf dem Weg von San Ignacio nach Santa Cruz gibts aber auch eine grosse Colla Sieldung, San Julian, da haben die Collas gleich eine Strassenblockade aufgezogen um die Cambas nicht nach Santa Cruz zu lassen. Da hats dann schon gefunkt. Schlimmer wars dann aber, als die Ignacianer zurueckgekommen sind. Da sind sie durch das Zentrum gezogen und haben die Geschaefte einiger Collas angezuendet und gepluendert. Getoetet ist niemand worden. Es ist aber auch nie jemand zur Rechenschaft gezogen worden. Als das Militaer angerueckt kam um weitere Pluenderungen zu verhindern, hat sich dann der Buergermeister laengere Zeit versteckt und irgendwann hat alles wieder gepasst. Aja, zwischen Polizei und Militaer gibts da auch starke Konflikte schon seit den 50gern (Kompetenzstreitigkeiten), aber das wuerde jetzt wohl zu weit fuehren.
Das Problem jetzt gerade ist aber noch viel groesser und tiefgehender. Da ich mich ausserstande sehe es gut zu analysieren, uebersetze ich euch eine kleine Zeitleiste der Ereignisse aus der Monopolzeitung im Tiefland “El DEBER”, die einiges erklaeren duerfte. Es hat das alles mit den Problemen mit der Schaffung einer neuen Verfassung zu tun.
6 de Agosto de 2006
Die Konstituiernde Versammlung wird in Sucre eingesetzt.
1 de Septiembre
Erster Konflikt, weil die Regierung festlegt, das fuer die aprobierung einer neuen Verfassung eine Absolute Mehrheit ausreicht, und nicht eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist [der Regierung ist an einem schnellen abschluss der neuen verfassung gelegen, um moeglichst viele ihrer vorstellungen durchzubringen =mas poder].
15 de diciembre
Die Regierung schlaegt andere Autonomiebegriffe vor, und kontert damit der Autonomiebewegung und den Vorstellungen der Tieflaneder.
5 de marzo 2007
Sucre will, dass in den Text seine Stellung als Sitz der Regierung festgeschrieben wird, es entsteht ein Konmflikt mit La Paz [Sucre ist die ofizielle Hauptstadt, aber die Regierung sitzt in La Paz].
6 de Agosto
Die Frist ist um, aber die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Neue Frist 14 Dezember.
15 de Agosto
Gewaltsame Proteste in Sucre, da die MAS (movimiento al socialismo, die Partei von Evo Morales) fordert die Frage nach der Hauptstadt aus der Debatte zu nehmen. Die Versammlung haelt keine Sitzungen mehr ab.
22 de Noviembre
Nach drei Monaten werden die Sitzungen ohne der Opposition [ja genau das, ohne Teilnahme der Opposition], in einer Kaserne weitergefuehrt.
24 de Noviembre
Als bekannt wird, das der Text fuer abgesclossen erklaert wure, gibt es bei Protesten um die Kaserne mindestens drei Tote. Am Tag danach zieht sich die Polizei zurueck.
Als sich die Polizei zurueckgezogen hat, aus Taktischen Gruenden, Munitions- und Traenengasmangel, haben auch die Haeftlinge die Gunst der Stunde genutz und einen Aufstand gemacht und sich befreit. Angesichts der unkontrolierbaren Lage haben erhielt die Polizei den Befehl sich ganz zurueck zu ziehen. Ich belasse es mal mit diesem Thema.
Pastorale Abenteur in Bolivien- Rupertusblatt Artikel
Eine Gute Zusammenfassung unserer Arbeit in Bolivien in der Salzburger Kirchenzeitung Rupertusblatt: Pastorale Abenteur in Bolivien: Wie soll ich mein Kind gut ernähren
Mittwoch, 5. März 2008
Fliegender Bischof kollidiert mit Ameisenhaufen
Unser Bischof Carlos (E)Stetter. Ein beeindruckend vielseiteiger Mann. Ausgebildeter Agronom was sehr wichtig ist, die Dioeszese will ja nicht fuer immer abhaengig von unterstuetzung aus Europa sein), und studierter Kommunikationswissenschaftler. Er hat ein Flugzeug und fliegt damit unter anderem medizinische Notfaelle nach Santa Cruz. Zur Zeit allerdings nicht, da er mit einem Ameisenhaufen (Termitenhuegel) kollidiert und daher das Fahrgestell kaputt ist (Was fuer eine Schlagzeile “fliegender Bischof kollidiert mit Ameisenhaufen”). Er hat am Nachmittag eine kranke Frau nach Santa Cruz geflogen, auf dem Heimweg ist es dann schon dunkel geworden, und da die Landebahn hier nicht beleuchtet ist hat er neben der Fahrbahn aufgesetzt und ist dann eben mit einem Ameisenhaufen kollidiert.
Ein sehr guter Bischof glaube ich, wenn er mich auch bei jedem Treffen „gstunken“ anredet (wieso weiss ich noch nicht). Der erste nicht Franziskanerbischof in dieser noch jungend Dioezese. Auf jedem Fall hat er ein sehr abenteurliches Leben (gehabt). Er war in Guatemala als Missionar. Auch da hat er mal eine kranke Fraumit seinem kleinen Flugzeug zum Krankenhaus geflogen.
Da ist ein Unwetter aufgezogen, die Wolken so dunkel wie der Wallersee bei Nacht und so hoch wie der Untersberg, geblitz hat es wie beim Opernball, geregnet wie im Sommer 2004 in Oesttereich als auf der Salzach die Amadeus gesunken ist (Oh Freunde, all diese Metaphern, ich geb es ja zu, ich vermiss unser schoenes Oesterreich). Bei diesem furchteregenden Unwetter jedenfalls, da haben die beiden, die schwerkranke Guatemaltekin und der deuschte Missionar, gewusst, dass sie jetzt bald vor ihren Schoepfer treten werden.Da haben sie zu beten begonnen, mit ganzer Kraft, in Todesnot, und der Misssionar hat gelobt, sollten sie das lebendig Ueberleben (bald kann ich besser Spanisch als Deutsch scheint mir), dann baut er eine Kapelle fuer die Santa Maria del Camino, Muttergottes vom Weg. Und das Wunder ist eingetreten, nach heroischem (fast schon “bischoeflichen”) kampf und mit Hilfe der Santa Maria del Camino. Warum steht diese Kapelle jetzt aber in der Chiquitania vor San Ignacio Velasco, umgebem von Yuca y Vacas (Yuca ist fast so was wie Kartoffel, Vacas sind Kuehe), und nicht in Guatemala Mittelamerika auf einem Vulkanhang?
Bald nach diesem Abenteuer mitte der 80ger ist es eng geworden in Guatemala, die Paramilitaers haben das Land terrorisiert. Als sie dann den Bischof Gerardi, einen Italiener ermordet haben, er war gerade auf dem Weg zu einem Preozess wo er ausgesagt haette gegen all die Drogenchefs etc., und auch andere Priester drangekommen sind, da hat Carlos Estetter gewusst, dass es Zeit ist die location zu changen (immer mehrspachiger werden meine Newsletter). So ist er dann nach Bolivien gekommen und ist da jetzt schon seit bald 20 Jahren (Weih- und)Bischof. Hier hat er auch sein Geluebde eingeloest. Da gibts jetzt ein Lied ueber den “heiligen Missionar” und seine Abenteuer, der Bischof will aber nicht, das man es singt.
Ein sehr guter Bischof glaube ich, wenn er mich auch bei jedem Treffen „gstunken“ anredet (wieso weiss ich noch nicht). Der erste nicht Franziskanerbischof in dieser noch jungend Dioezese. Auf jedem Fall hat er ein sehr abenteurliches Leben (gehabt). Er war in Guatemala als Missionar. Auch da hat er mal eine kranke Fraumit seinem kleinen Flugzeug zum Krankenhaus geflogen.
Da ist ein Unwetter aufgezogen, die Wolken so dunkel wie der Wallersee bei Nacht und so hoch wie der Untersberg, geblitz hat es wie beim Opernball, geregnet wie im Sommer 2004 in Oesttereich als auf der Salzach die Amadeus gesunken ist (Oh Freunde, all diese Metaphern, ich geb es ja zu, ich vermiss unser schoenes Oesterreich). Bei diesem furchteregenden Unwetter jedenfalls, da haben die beiden, die schwerkranke Guatemaltekin und der deuschte Missionar, gewusst, dass sie jetzt bald vor ihren Schoepfer treten werden.Da haben sie zu beten begonnen, mit ganzer Kraft, in Todesnot, und der Misssionar hat gelobt, sollten sie das lebendig Ueberleben (bald kann ich besser Spanisch als Deutsch scheint mir), dann baut er eine Kapelle fuer die Santa Maria del Camino, Muttergottes vom Weg. Und das Wunder ist eingetreten, nach heroischem (fast schon “bischoeflichen”) kampf und mit Hilfe der Santa Maria del Camino. Warum steht diese Kapelle jetzt aber in der Chiquitania vor San Ignacio Velasco, umgebem von Yuca y Vacas (Yuca ist fast so was wie Kartoffel, Vacas sind Kuehe), und nicht in Guatemala Mittelamerika auf einem Vulkanhang?
Bald nach diesem Abenteuer mitte der 80ger ist es eng geworden in Guatemala, die Paramilitaers haben das Land terrorisiert. Als sie dann den Bischof Gerardi, einen Italiener ermordet haben, er war gerade auf dem Weg zu einem Preozess wo er ausgesagt haette gegen all die Drogenchefs etc., und auch andere Priester drangekommen sind, da hat Carlos Estetter gewusst, dass es Zeit ist die location zu changen (immer mehrspachiger werden meine Newsletter). So ist er dann nach Bolivien gekommen und ist da jetzt schon seit bald 20 Jahren (Weih- und)Bischof. Hier hat er auch sein Geluebde eingeloest. Da gibts jetzt ein Lied ueber den “heiligen Missionar” und seine Abenteuer, der Bischof will aber nicht, das man es singt.
Ministranten haben Angst
Wie also kommt es so weit, das sich ein Gruppe junger Ministraten und ein Austriaco sich vor Angst in diese Kapelle einsperren und dann auch noch den Schluessel abbrechen?
Wir haben einen Paseo gemacht, einen Ausflug, zu Santa Maria del Camino. Ein trueber Tag, regen und viel Wind. Wir waren aber guter Dinge und der Hinweg war schon sehr lustig. Wir haben unsere Hymne gesunge (Vamos, vamos, vamos...) und sind die rote Erdstrasse runtergetanzt.
Alles dabei, was Junge Bolivianer brauchen um gluecklich zu sein (E-Sprite und chupetes, Lutscher). Dann in Santa Maria del Camino sind wir in die Kirche gegangen. Die Kapelle hat rundherum grosse Holztore, sie waren aber alle geschlossen. Wir sind durch die Sakristei hinein. Da waren wir also in der Kapelle. Fast keine Fenster, nur kleine Bullaugen ueber den grossen, geschlossenen Toren.
Ich habe gerade eine kleine Katechese begonnen, der Wind hat gepfiffen. Uebers Dach, durch die Spalten in den Toren. “Da hat eine Frau geschrien” hat einer der Ministranten ausgerufen, “Ja, da hat eine Frau geschrien” die anderen. “Nein, das ist nur der Wind”—“Nein ganz sicher eine Frau, die hat geschrien, was ist los”. Da haben die Ministranten schon ein mulmiges gefuehl gehabt.
Fuenf Minuten angespannt Katechese, eine Windboe. Ein Ministrant: “Die Polizei, hoert ihr das, die Polizei verfolgt ein Auto, das faehrt so schnell und kommt genau auf die Kapelle zu, hilfe, die kommen zu uns die Verbrecher, ganz sicher, ganz sicher.”—“Freunde, das ist nur der Win..”—“Nein ganz sicher, bitte, bitte, bittte, gehn wir raus, sperren wir zu, bitte, bitte”.
Das interessante ist nun, dass auch wenn man weis dass es der Wind ist, wenn ein Paar Kinder wirklich Angst haben, das spuert man so, also ich muss zugeben, ich hab da auch ein bischen Angst gehabt. Ganz grau ist es, der Wind pfeift, bin in einem abgeschlossenen Raum im Bolivianischen Tiefland auf einem kleinen Huegel vor einer kleinen Stadt in einem riesigen Wald, ja ich hab auch ein bischen Angst gehabt.
Ich hab uns eingesperrt in der Kirche. Wir haben gebetet. So andaechtig hab ich die Ministranten noch nie gesehen. Nach ein paar gebeten haben wir es nicht mehr ausgehalten. “Gehn wir raus, gehn wir heim, bitte!” Ich geh also zur Tuer und will aufsperren, und dreh den Schluessel, und er bewegt sich nicht, und ich dreh ein bischen fester und noch immer tut sich nichts und...er bricht ab im Schloss. “Was machen wir, wahhh, was machen wir, bitte, bitte, was machen wir”. Ich hab aber ganz scharf nachgedacht und eine sehr scharfsinnige Loesung gefunden. Drei Seiten der Kapelle sind ja Tore, so sind wir dann raus. Die Polizei ist nicht vorbeigekommen, vielleicht hat sich der Verfolgte (fiktive) Gewalttaeter auf dem Cerro (Huegel) versteckt hier ganz in der Naehe. Einer von den Ministranten hat dann Andres geholt mit Ersatzschluessel und wir sind gut heimgekommen. Und sich gemeinsam zu fuerchten verbindet ja ungemein. Wir sind jetzt gute Freunde, die Minis und ich.
Wir haben einen Paseo gemacht, einen Ausflug, zu Santa Maria del Camino. Ein trueber Tag, regen und viel Wind. Wir waren aber guter Dinge und der Hinweg war schon sehr lustig. Wir haben unsere Hymne gesunge (Vamos, vamos, vamos...) und sind die rote Erdstrasse runtergetanzt.
Alles dabei, was Junge Bolivianer brauchen um gluecklich zu sein (E-Sprite und chupetes, Lutscher). Dann in Santa Maria del Camino sind wir in die Kirche gegangen. Die Kapelle hat rundherum grosse Holztore, sie waren aber alle geschlossen. Wir sind durch die Sakristei hinein. Da waren wir also in der Kapelle. Fast keine Fenster, nur kleine Bullaugen ueber den grossen, geschlossenen Toren.
Ich habe gerade eine kleine Katechese begonnen, der Wind hat gepfiffen. Uebers Dach, durch die Spalten in den Toren. “Da hat eine Frau geschrien” hat einer der Ministranten ausgerufen, “Ja, da hat eine Frau geschrien” die anderen. “Nein, das ist nur der Wind”—“Nein ganz sicher eine Frau, die hat geschrien, was ist los”. Da haben die Ministranten schon ein mulmiges gefuehl gehabt.
Fuenf Minuten angespannt Katechese, eine Windboe. Ein Ministrant: “Die Polizei, hoert ihr das, die Polizei verfolgt ein Auto, das faehrt so schnell und kommt genau auf die Kapelle zu, hilfe, die kommen zu uns die Verbrecher, ganz sicher, ganz sicher.”—“Freunde, das ist nur der Win..”—“Nein ganz sicher, bitte, bitte, bittte, gehn wir raus, sperren wir zu, bitte, bitte”.
Das interessante ist nun, dass auch wenn man weis dass es der Wind ist, wenn ein Paar Kinder wirklich Angst haben, das spuert man so, also ich muss zugeben, ich hab da auch ein bischen Angst gehabt. Ganz grau ist es, der Wind pfeift, bin in einem abgeschlossenen Raum im Bolivianischen Tiefland auf einem kleinen Huegel vor einer kleinen Stadt in einem riesigen Wald, ja ich hab auch ein bischen Angst gehabt.
Ich hab uns eingesperrt in der Kirche. Wir haben gebetet. So andaechtig hab ich die Ministranten noch nie gesehen. Nach ein paar gebeten haben wir es nicht mehr ausgehalten. “Gehn wir raus, gehn wir heim, bitte!” Ich geh also zur Tuer und will aufsperren, und dreh den Schluessel, und er bewegt sich nicht, und ich dreh ein bischen fester und noch immer tut sich nichts und...er bricht ab im Schloss. “Was machen wir, wahhh, was machen wir, bitte, bitte, was machen wir”. Ich hab aber ganz scharf nachgedacht und eine sehr scharfsinnige Loesung gefunden. Drei Seiten der Kapelle sind ja Tore, so sind wir dann raus. Die Polizei ist nicht vorbeigekommen, vielleicht hat sich der Verfolgte (fiktive) Gewalttaeter auf dem Cerro (Huegel) versteckt hier ganz in der Naehe. Einer von den Ministranten hat dann Andres geholt mit Ersatzschluessel und wir sind gut heimgekommen. Und sich gemeinsam zu fuerchten verbindet ja ungemein. Wir sind jetzt gute Freunde, die Minis und ich.
Ruben beisst in die Torte
Vor zwei Wochen haben wir wieder eine Radiosendung aufgenommen. Jede dritte Woche sind wir eingeteilt eine Readiosendung, quasi einen Wortgottesdienst aufzunehmen. Diesmal war Hermano Andres an der Reihe, Hermano Yarlin, Clara, die Sekraeterin von FUC (Familias Unidos con Christo) und ich haben ihn begleitet. Ich mit Geige und spaeter mit einer laengeren Blues improvisation auf der Gitarre und einem Auferstehungslied zu „Juoshua fought the battle of Jericho“. Im Campo wird ja sehr selten eine Messe am Sonntag gelesen da die Distanzen einfach zu gross sind, daher spielt das Radio Juan XXIII eine sehr grosse Rolle. Radio Juan XXIII hat eine sehr grosse Reichweite, sie hoeren bis nach Puerto Suarez und weiter.
Ich wollte euch noch so viel erzaehlen, aber der Paro und die Politische Lage haben sich gerade so aufgedraengt. Dabei hab ich noch richtige Schaetze parat: Ein langes Interview mit Hermano Yarlin, eine Representative Liste von Vornamen aus San Ignacio (Von Pilato Justo bis Stalin).
Meine Geburtstagsserenata will ich aber noch ein bischen beschreiben. Der Zweite grosse Grund fuer Heimweh ausser Krankeheit ist wohl ein grosses Fest ohne Famlie und Freunde. Ich war also die Woche vor meinem Geburtstag schon ziemlich traurig. Das haben die Masaí´s gemerkt, und so haben sie eine Gebrutstagsserenate organisiert fuer mich. Die Masaí´s das sind usnere Nachbarn, die eine Tochter ist Clara, die oben erwaehnte FUC Sekraeterin, und auch so sind sie der Pfarre serh verbunden (die Pfarre hat sie aber auch immer sehr unterstueztz). Clara war die madrina de los globos, die Patin der Luftballons. Da bekommt jeder eine Aufgabe und organisiert was. Sie haben super gekocht fuer alle etc. Ich hab dann mit allen Maedchen tanzen muessen, und es war recht lustig. Christoph, ein Voluntaer in einem Gymnasium und Freund von mir hat auch eine schoene saftige Creamtorte gekauft. Da hats dann geheissen: „Ach beiss doch in die Torte, nur ein bischen, die ist so lecker“. Ich schick euch die besten Fotos davon.
so verbleibe ich in Freundschaft und Verbundenheit und wuensche euch Gottes Segen
Euer
Ruben Weyringer
Ich wollte euch noch so viel erzaehlen, aber der Paro und die Politische Lage haben sich gerade so aufgedraengt. Dabei hab ich noch richtige Schaetze parat: Ein langes Interview mit Hermano Yarlin, eine Representative Liste von Vornamen aus San Ignacio (Von Pilato Justo bis Stalin).
Meine Geburtstagsserenata will ich aber noch ein bischen beschreiben. Der Zweite grosse Grund fuer Heimweh ausser Krankeheit ist wohl ein grosses Fest ohne Famlie und Freunde. Ich war also die Woche vor meinem Geburtstag schon ziemlich traurig. Das haben die Masaí´s gemerkt, und so haben sie eine Gebrutstagsserenate organisiert fuer mich. Die Masaí´s das sind usnere Nachbarn, die eine Tochter ist Clara, die oben erwaehnte FUC Sekraeterin, und auch so sind sie der Pfarre serh verbunden (die Pfarre hat sie aber auch immer sehr unterstueztz). Clara war die madrina de los globos, die Patin der Luftballons. Da bekommt jeder eine Aufgabe und organisiert was. Sie haben super gekocht fuer alle etc. Ich hab dann mit allen Maedchen tanzen muessen, und es war recht lustig. Christoph, ein Voluntaer in einem Gymnasium und Freund von mir hat auch eine schoene saftige Creamtorte gekauft. Da hats dann geheissen: „Ach beiss doch in die Torte, nur ein bischen, die ist so lecker“. Ich schick euch die besten Fotos davon.
so verbleibe ich in Freundschaft und Verbundenheit und wuensche euch Gottes Segen
Euer
Ruben Weyringer
Montag, 3. März 2008
Fotos Newsletter 5
Ruben beisst in die Torte 1
auch Abelino und Yarlin schneiden sich die Haare
Ruben hat keine Argentinische Schmalzlocke mehr
Andres y Ruben am Cerro, im Hintergrund San Ignacio und die Represa
Antennen am Cerro, Antennenwachtersohn besteigt
Antenne und beeindruckt uns
Antenne und beeindruckt uns
Andres auf der Antenne
Weissgetuenche Graeber am Hauptfriedhof
Allerheiligen am Armenfriedhof in St. Antonio
Alter Chiquitano Musiker, seine Frau und Enkelkind
Auf dem Weg zu Hausbesuch mit
Geige und Gitarre
Newsletter 4: Mehr Fotos
in Fatimakapelle , padre Jesus
Liebe Freunde und Bekannte!
Ich schicke euch noch einige Fotos mehr, beim letzten mal war das limit der in 24 Stunden sendbaren emails schon ueberschritten! ich bin jetzt in Santa Cruz, und hab ein Visum fuer weitere 2 Monate bekommen! in meinem konvent haben sie gewettet wiviel sie mich zahlen lassen werden fuer das gratis visum, sie haben aber alle verloren! mein selbstbewusstes auftreten + charme war wohl zu gross!
auch haben sie lange geglaubt ich sei aus Albanien, und das es da wenig zu holen gibt wissen auch die Cambas! Wer die Cambas sind und wer die Collas in diesem (sehr geteilten!!!) Land, das schreib ich ein anderes mal. hier laufen auf jeden viele menschen mit "100 % Camba" T-shirts rum, und auf jedr zweiten Hauswand steht Autonomia!
mfg Euer Ruben
Newsletter 4 Fotos: eine Woche in SIV
Hermano Abelino und Adelina spielen Gitarre,
Ceasar und Wald spielen Geige, Dionysio spielt Cello
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