Der Artikel fuer den Franziskanerkalender:
Aus Holzhuette mit Plastikplane wird ein Palast
Bolivien ist wegen der grossen Spaltung innerhalb der Bevoelkerung und der politischen Spannung ein grosses Thema in den Medien. Die einzelnen Menschen und Familien, ihr Leben und Schicksal hat damit denkbar wenig zu tun. Ich habe das grosse Glueck ein Jahr als Freiwilliger in einem bolivianischen Franziskanerkonvent leben zu duerfen. Von meinen Erlebnissen in der pastoralen Arbeit will ich etwas erzaehlen.
Ein verhinderter Freiwilliger…
Nach dem letzten Semester des Biologiestudiums war der Zeitpunkt gekommen einen lang gehegten Wunsch zu erfuellen. Ein Jahr im Herzen Suedamerikas zu leben, ein Jahr als Voluntaer, ein “Jahr in der Mission”, wie es einmal hiess. Schon nach der Matura hatte ich mich danach gesehnt. “Zu gefaehrlich, zu hohe Verantwortung fuer uns” sagte mir die grosse, letztes Jahr verstorbenen Kolumbienmissionarin Schwester Herlinde Moises. “Wir brauchen Leute die eine praktische Ausbildung haben, zum Brunnen bauen und so” kam es freundschaftlich abweisend aus dem trockenen Norden Brasiliens.
Sechs Jahre spaeter war es aber so weit, ein Anruf in der Dioezesankomission fuer Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit, und schneller als mir lieb war, es war ja doch nur “nur so eine Idee”, war es ausgemacht. Unbuerokratisch wurde mir gesagt: “Vor ein Paar Jahren waren wir in unserer Partnerdioezese San Ignacio Velasco im bolivianischen Tiefland. Die Franziskaner hab ich kennen gelernt, die sind nett und sehr aktiv und sehr kreativ und machen viel fuer die Leute. Da waerst du gut aufgehoben, ich schreib ihnen mal und frag nach. Der Guardian ist noch dazu ein Oestereicher”.
Nach einer Woche kam das O.K. aus Bolivien, ein paar Wochen mehr, und der Flug war gebucht.
Eine schoene Ueberraschung war auch, dass ein Sozialeinsatz bei einer kirchlichen Institution mit monatlich 100 Euro von der Dioezese Salzburg gefoerdert wird.
Pastorale Abenteur in Bolivien- Rupertusblatt Artikel
Eine Gute Zusammenfassung unserer Arbeit in Bolivien in der Salzburger Kirchenzeitung Rupertusblatt: Pastorale Abenteur in Bolivien: Wie soll ich mein Kind gut ernähren
Donnerstag, 17. Juli 2008
…kommt an sein Ziel
Will man in Bolivien ein Abenteur erleben muss man nicht Klippen- oder Falschirmspringen. Es genuegt in eine Flota, einen Reisebus (Zuege gibt es in Suedamerika so gut wie nicht) zu steigen. Die asphaltierten Strassen sind rar, dafuer sehr verbreitet halbe Meter tiefe Schlagloecher, und Buse ohne Fensterscheiben und Bremse.Bei meiner esten Fahrt hatte ich noch Glueck, Padre Andres (Andreas Holl OFM) der Guardian des Konvents San Francisco in dem ich leben sollte, wartete auf mich am Flughafen. Nach zwei Tagen rast in der Tiefalnd Metropole Santa Cruz, und einem Tag in unserem weissen, Paloma, Taube, genannten Truck war ich angekommen. San Ignaco Velasco, eine der Alten Jesuiten Reduccionen. Nach dem die Jesuiten 1767 verbannt wurden lange Zeit dahin marodierend, bis 1930 Franziskaner aus Oesterreich und Bayern kamen um die Mission wieder aufzubauen, fuer 10 Monate sollte ich dabei also mithelfen.
Mein erster Eindruck war ueberwaeltigend. Waren es zuerst die wunderschoenen barocken Jesuitenkirchen von San Xavier und Concepcion die mich auf dem Hinweg ins Staunen versetzten, so war es dann die ueberwaeltigende Lebhaftigkeit in unserer Pfarre.
San Ignacio ist sehr schnell gewachsen in den letzten Jahrzehnten, daher wurde vor bald 20 Jahren San Francisco als zweite Pfarre gegruendet. Fuenf Franziskaner leben dort. Die Pfarre ist gross, 9 Barrios (Viertel) und 13 Comunidades im Campo, kleine Doerfer im endlosen Wald rund um San Ignacio verstreut.
Jedes Dorf wird einmal im Monat besucht. Kleine Doerfer mit vielen Kindern und Tieren, keinen Autos und keine Elektrizitaet.Die erste Heilige Messe im Campo hat sich mir tief eingepraegt. Bei Kerzenschein, und dem ersten Regen nach fuenf Monaten, bei einer Geraeuschkulisse von Voegeln und anderen Tieren, mit einer kleinen Schar Bolivianer in einer Kapelle im Herzen Suedamerikas von hunderten Kilomtern Wald umgeben, versammelt um Eucharistie zu feiern. Wahrlich romantisch. Aber nur fuer mich und Andres musste ich lernen. Die Menschen ohne Elektrizitaet sehnen sich nach Neonroehren. Schon merkte ich wieviel ich noch zu lernen haette, um die Menschen hier zu verstehen.
Mein erster Eindruck war ueberwaeltigend. Waren es zuerst die wunderschoenen barocken Jesuitenkirchen von San Xavier und Concepcion die mich auf dem Hinweg ins Staunen versetzten, so war es dann die ueberwaeltigende Lebhaftigkeit in unserer Pfarre.
San Ignacio ist sehr schnell gewachsen in den letzten Jahrzehnten, daher wurde vor bald 20 Jahren San Francisco als zweite Pfarre gegruendet. Fuenf Franziskaner leben dort. Die Pfarre ist gross, 9 Barrios (Viertel) und 13 Comunidades im Campo, kleine Doerfer im endlosen Wald rund um San Ignacio verstreut.
Jedes Dorf wird einmal im Monat besucht. Kleine Doerfer mit vielen Kindern und Tieren, keinen Autos und keine Elektrizitaet.Die erste Heilige Messe im Campo hat sich mir tief eingepraegt. Bei Kerzenschein, und dem ersten Regen nach fuenf Monaten, bei einer Geraeuschkulisse von Voegeln und anderen Tieren, mit einer kleinen Schar Bolivianer in einer Kapelle im Herzen Suedamerikas von hunderten Kilomtern Wald umgeben, versammelt um Eucharistie zu feiern. Wahrlich romantisch. Aber nur fuer mich und Andres musste ich lernen. Die Menschen ohne Elektrizitaet sehnen sich nach Neonroehren. Schon merkte ich wieviel ich noch zu lernen haette, um die Menschen hier zu verstehen.
Gottesmutter und Lieblingsjuenger rennen um die Wette
Eine erste Aufgabe war fuer mich schnell gefunden.”Die Ministranten sind schon lange ohne Fuehrung und die Gruppe muss wieder neu aufgebaut werden” hatte mir Hermano (Bruder) Andres geschrieben. Mit einem dutzend Jahre Ministriererfahrung, Talar und Rochette im Gepaeck war ich dafuer gut vorbereitet. Und in dem 79 jaerhigen Spanier Padre Jesus fand ich auch einen begeisterten Mitstreiter auf dem Weg zu einer funktionierenden und treuen Ministrantengruppe. Jesus war der erste Pfarrer von San Francisco, einen so ideenreichen, spontanen, liebevollen, manchmal auch positiv unberechenbaren Menschen trifft man selten.
In den sieben Monaten mit den Minis habe ich nun schon viel schoenes erlebt, aber auch einiges zu kaempfen gehabt. So aufgeweckt, sympathisch und cariñoso (zaertlich, also Zuneigung gebend und suchend) sie sind, so schwer ist es ihnen Puenktlichkeit und Ruhe in der Messe beizubringen. Aber wir sind schon sehr weit gekommen und sind eine gute, zusammenhaltende recht grosse Gruppe geworden. Jeden Abend beten wir zuerst den Rosenkranz vor, und assistieren dann bei der Heiligen Messe.
Ein besonderes Erlebniss war die Karwoche mit all den stundenlangen Prozessionen. Ein besonders spannender Brauch findet nach dem Auferstehungsgottesdienst statt: ein Wettrennen zwischen Maria und Johannes, dem Lieblingsjuenger. Drei Prozessionen, die Frauen mit Maria und die Maenner mit Johannes (der doppelt soviel wiegt) auf den Schultern machen einen grossen Halbkreis , der Auferstande geht gerade aus. Wer erreicht ihn zuerst? Wir Maenner haben gewonnen, dieses Jahr zumindest, die Frauen sinnen schon auf Revanche.
In den sieben Monaten mit den Minis habe ich nun schon viel schoenes erlebt, aber auch einiges zu kaempfen gehabt. So aufgeweckt, sympathisch und cariñoso (zaertlich, also Zuneigung gebend und suchend) sie sind, so schwer ist es ihnen Puenktlichkeit und Ruhe in der Messe beizubringen. Aber wir sind schon sehr weit gekommen und sind eine gute, zusammenhaltende recht grosse Gruppe geworden. Jeden Abend beten wir zuerst den Rosenkranz vor, und assistieren dann bei der Heiligen Messe.
Ein besonderes Erlebniss war die Karwoche mit all den stundenlangen Prozessionen. Ein besonders spannender Brauch findet nach dem Auferstehungsgottesdienst statt: ein Wettrennen zwischen Maria und Johannes, dem Lieblingsjuenger. Drei Prozessionen, die Frauen mit Maria und die Maenner mit Johannes (der doppelt soviel wiegt) auf den Schultern machen einen grossen Halbkreis , der Auferstande geht gerade aus. Wer erreicht ihn zuerst? Wir Maenner haben gewonnen, dieses Jahr zumindest, die Frauen sinnen schon auf Revanche.
Ein Mensch mit weisem Herzen
Bald lernte ich Doña Dina kennen. Wenn ich einmal in meinem Leben jemanden kennen gelernt habe, der die “Weisheit des Herzens” hat, dann ist es sie. Sie weis intuitiv was zu tun ist um den Menschen zu helfen. Und sie nimmt das Herrenwort aus Johannes 17,12 ernst, auch fuer uns und unsere Aufgabe: “Ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren”. Das wir das auch einmal sagen koennen, dafuer kaempft sie. Dieser Kampf ist nur dann nicht aussichtlos, wenn man sich immer bewusst ist, dass wir nicht die Menschen retten koennen. Wir koennen ihnen materiell helfen um die schlimmste Not zu lindern und etwas neues aufzubauen, vor allem aber koennen wir ihnen den (naeher)bringen, der sie wirklich retten wird.
Dina ist die Leiterin von Familias Unidas con Cristo (FUC), der Teil der Pfarre, der fuer die Soziale Arbeit zustaendig ist. Dina kaempft seit beginn der Pfarre fuer die vielen Armen, fuer die zahllosen alleinerziehenden Muetter, die Alten ohne Bleibe, fuer Familien ohne Heim. Ein beeindruckender Mensch.
Ein groesses Projekte von FUC ist Patenschaftsprojekt fuer Kinder. Ist ein Padrino, Pate, gefunden, bekommt das Kind bzw. die Familie Unterstuetzung in Form von Schulmaterial, Lebensmitteln und aehnlichem. Alle Projekte sind aber auf Eigeninitiative ausgelegt, daher muessen die Kinder als Gegenleistung in der Pfarre Mitarbeiten. Viele Spielen in unserem Orchester und Chor, oder sind in einer der verschiedenen Jugengruppen, es gibt gemeinsame Ausfluege und Katechesen.
Ein anderes grosses Projekte der Pfarre ist das Barrio “El Bisito”. Mit Spendengeldern konnten wir Grundstuecke fuer 40 Familien kaufen. Die aermsten Familien bekommen dort die Moeglichkeit sich ein Haus zu bauen und in einer guten Gemeinschaft zu leben, die zusammenhaelt und so immer mehr zu Fammilas Unidas con Cristo, Familien vereint mit Christus, zu werden . Aber auch sie muessen Eigeninitiative zeigen, etwa die Adobes, Lehmziegel herstellen, und die Hilfsarbeiten auf der Baustelle machen.
Dina hat mit der Alcaldia, der Stadtverwaltung, soviel um die Grundstuecke etc kaempfen muessen, dass sie schwer krank geworden ist. Eineinhalb Jahre konnte sie nichts tun, eine Niere haben sie ihr rausoperiert. Sie waere fast gestorben. Aber voellig unerwarter ist sie wieder gesundet. Dina sagt:”eigentlich war das die schoenste Zeit meines Lebens, ich habe die ganze Zeit gebetet und bin mir so geborgen vorgekommen, Christus war so nahe. Ich bin nur dazu wieder gesund geworden, um noch weiter zu kaempfen fuer die Armen Menschen.” Von dort her kommt ihre Kraft und Ausdauer, die mich als gesunden 24 jaehrigen staunen laesst.
Dina ist die Leiterin von Familias Unidas con Cristo (FUC), der Teil der Pfarre, der fuer die Soziale Arbeit zustaendig ist. Dina kaempft seit beginn der Pfarre fuer die vielen Armen, fuer die zahllosen alleinerziehenden Muetter, die Alten ohne Bleibe, fuer Familien ohne Heim. Ein beeindruckender Mensch.
Ein groesses Projekte von FUC ist Patenschaftsprojekt fuer Kinder. Ist ein Padrino, Pate, gefunden, bekommt das Kind bzw. die Familie Unterstuetzung in Form von Schulmaterial, Lebensmitteln und aehnlichem. Alle Projekte sind aber auf Eigeninitiative ausgelegt, daher muessen die Kinder als Gegenleistung in der Pfarre Mitarbeiten. Viele Spielen in unserem Orchester und Chor, oder sind in einer der verschiedenen Jugengruppen, es gibt gemeinsame Ausfluege und Katechesen.
Ein anderes grosses Projekte der Pfarre ist das Barrio “El Bisito”. Mit Spendengeldern konnten wir Grundstuecke fuer 40 Familien kaufen. Die aermsten Familien bekommen dort die Moeglichkeit sich ein Haus zu bauen und in einer guten Gemeinschaft zu leben, die zusammenhaelt und so immer mehr zu Fammilas Unidas con Cristo, Familien vereint mit Christus, zu werden . Aber auch sie muessen Eigeninitiative zeigen, etwa die Adobes, Lehmziegel herstellen, und die Hilfsarbeiten auf der Baustelle machen.
Dina hat mit der Alcaldia, der Stadtverwaltung, soviel um die Grundstuecke etc kaempfen muessen, dass sie schwer krank geworden ist. Eineinhalb Jahre konnte sie nichts tun, eine Niere haben sie ihr rausoperiert. Sie waere fast gestorben. Aber voellig unerwarter ist sie wieder gesundet. Dina sagt:”eigentlich war das die schoenste Zeit meines Lebens, ich habe die ganze Zeit gebetet und bin mir so geborgen vorgekommen, Christus war so nahe. Ich bin nur dazu wieder gesund geworden, um noch weiter zu kaempfen fuer die Armen Menschen.” Von dort her kommt ihre Kraft und Ausdauer, die mich als gesunden 24 jaehrigen staunen laesst.
Aus Holzhuette mit Plastikplane wird ein Palast
Wir begannen mit einem Nachmittag woechentlich um die kranken abuelitos (Grosselterchen, die Bolivianer lieben Koseformen, es gibt keine Wortgattung, die nicht verniedlicht wird, oft unuebersetzbar) zu besuchen. Die Geige oder Gitarre umgeschnallt, die Bibel in einer kleinen Umhaengetasche brachten wir Trost, Rat und neue Hoffnung. Andres und ich haben einmal bei dem alten, kranken Don Calixto einen Wortgottesdienst gefeiert mit Geige, Gitarre und Floete. Die aermlichste Holzhuetten verwandelte sich in einen Palast mit Geigenmusik, Gebet und Gesang, da hab ich gespuert, ja das ist die Kirche. Das trostloseste, bitterste wird in etwas gutes, schoenes verwandelt. Ich hab an die Propheten und ihre grossen Verheissungen denken muessen. Immer schon waren die schoenen Kirchengebaeude die einzigen Palaeste zu denen alle Menschen zutritt hatten, ich glaube aus diesem Grund lieben es besonders die armen Menschen die Kirchen schoen zu schmuecken. Und zu denen, die nicht mehr in die Kirche kommen koennen, zu denen bringen wir sie.
In den folgenden Monaten begannen Dina und ich mehr und mehr die Leute zu besuchen, und nun sind wir wenn irgendwie moeglich jeden Tag unterwegs. Dass sind oft sehr starke und beruhrende Begegnungen, fuer die ich sehr dankbar bin. Ich lerne die Menschen und ihr leben gut kennen, aber wir bleiben nicht nur interessierte Beobachter, wir koennen ihnen helfen. Wir machen Plaene mit ihnen wie es weitergehen kann, und zeigen ihnen, dass nicht alles auswegslos ist. Es wird schon deutlich: wir haben zwei grosse Aufgaben, die man nicht voneinander trennen kann. Den Glauben (auf)wecken und vertiefen und materiel, caritativ helfen.
Wie auch in Europa ist das groesste Problem das fehlen funktionierender Familien, aber hier auf eine andere Art. Einer der ersten und vielleicht der schoenste Eindruck wenn man nach Bolivien kommt, sind die vielen vielen Kinder. Nur leben die meisten nicht mit ihren Vater, manchmal auch nicht mit der Mutter. Es gibt sehr wenige Ehen und fast keine Frau hat Kinder von nur einem Mann. Viel zu jung bekommen die meisten Frauen ihr erstes Kind, werden verlassen, suchen sich wo anders die ersehnte Zuneigung oder Hilfe, und das gleiche passiert noch einmal. Diejenigen die zusammenleben, sehen sich meistens nur einmal im Monat, den der Grossteil der aermeren Vaeter arbeiten in der Holzwirtschaft, weit weg im Wald, und viele Frauen werden koerperlich misshandelt, geschlagen und auch die Sexualitaet ist nichts schoens in solchen Beziehungen, oft nicht freiwillig. Viele Familien haben kein eigenes Haus, und leben in der staendigen Unsicherheit ihre Huette verlassen zu muessen. Die Menschen hier werden nicht verhungern, dazu ist die Natur zu ueppig und fast alle Leute produzieren etwas zum verkaufen, Brot oder Tamales (eine Art Maisbrei in den Blaettern eingewickelt gekocht). Wird allerdings jemand krank, oder verletzt sich, dann wird es schwer. Geld fuer Behandlungen haben die wenigsten. Das sind die grossen Themen, um die es sich meistens dreht. Damit zu helfen, immer vom Evangelium aus gesehen, dass ist unsere Aufgabe
In den folgenden Monaten begannen Dina und ich mehr und mehr die Leute zu besuchen, und nun sind wir wenn irgendwie moeglich jeden Tag unterwegs. Dass sind oft sehr starke und beruhrende Begegnungen, fuer die ich sehr dankbar bin. Ich lerne die Menschen und ihr leben gut kennen, aber wir bleiben nicht nur interessierte Beobachter, wir koennen ihnen helfen. Wir machen Plaene mit ihnen wie es weitergehen kann, und zeigen ihnen, dass nicht alles auswegslos ist. Es wird schon deutlich: wir haben zwei grosse Aufgaben, die man nicht voneinander trennen kann. Den Glauben (auf)wecken und vertiefen und materiel, caritativ helfen.
Wie auch in Europa ist das groesste Problem das fehlen funktionierender Familien, aber hier auf eine andere Art. Einer der ersten und vielleicht der schoenste Eindruck wenn man nach Bolivien kommt, sind die vielen vielen Kinder. Nur leben die meisten nicht mit ihren Vater, manchmal auch nicht mit der Mutter. Es gibt sehr wenige Ehen und fast keine Frau hat Kinder von nur einem Mann. Viel zu jung bekommen die meisten Frauen ihr erstes Kind, werden verlassen, suchen sich wo anders die ersehnte Zuneigung oder Hilfe, und das gleiche passiert noch einmal. Diejenigen die zusammenleben, sehen sich meistens nur einmal im Monat, den der Grossteil der aermeren Vaeter arbeiten in der Holzwirtschaft, weit weg im Wald, und viele Frauen werden koerperlich misshandelt, geschlagen und auch die Sexualitaet ist nichts schoens in solchen Beziehungen, oft nicht freiwillig. Viele Familien haben kein eigenes Haus, und leben in der staendigen Unsicherheit ihre Huette verlassen zu muessen. Die Menschen hier werden nicht verhungern, dazu ist die Natur zu ueppig und fast alle Leute produzieren etwas zum verkaufen, Brot oder Tamales (eine Art Maisbrei in den Blaettern eingewickelt gekocht). Wird allerdings jemand krank, oder verletzt sich, dann wird es schwer. Geld fuer Behandlungen haben die wenigsten. Das sind die grossen Themen, um die es sich meistens dreht. Damit zu helfen, immer vom Evangelium aus gesehen, dass ist unsere Aufgabe
Ein Zweijahriger (Ver)Kaeufer
Wie so ein Besuch aussehen kann am Beispiel eines Besuches letzte Woche.
Dina und ich gehen eines Vormittags durch das Barrio Santa Rosita. Dina kennt fast alle Familien und fuehrt uns ans Ziel. An dem schiefen Holzzaun mit Stacheldraht bleiben wir stehen, Dina ruft (typisch bolivianisch um herauszufinden ob jemand zuhause ist) mit weinerlich fragender Stimme “Señora”, und die hochschwangere vielleicht 30 jaehrige Juana macht uns auf. Dina ist Juana gut bekannt, und den Hermanito (Koseform von Hermano, Bruder, so nennen mich die Leute hier, oder Padrecito, von Padre, Priester. Wenn, man sie ausbessert hoert man oft: “fuer uns bist du aber ein padrecito”, man merkt, wie sehr sich die Leute nach geistlicher Fuehrung sehnen) haben sie auch schon gesehen, und so setzen wir uns auf wild zusammengenagelte Hocker in den Schatten eines kleinen Baumes.
Dina und ich gehen eines Vormittags durch das Barrio Santa Rosita. Dina kennt fast alle Familien und fuehrt uns ans Ziel. An dem schiefen Holzzaun mit Stacheldraht bleiben wir stehen, Dina ruft (typisch bolivianisch um herauszufinden ob jemand zuhause ist) mit weinerlich fragender Stimme “Señora”, und die hochschwangere vielleicht 30 jaehrige Juana macht uns auf. Dina ist Juana gut bekannt, und den Hermanito (Koseform von Hermano, Bruder, so nennen mich die Leute hier, oder Padrecito, von Padre, Priester. Wenn, man sie ausbessert hoert man oft: “fuer uns bist du aber ein padrecito”, man merkt, wie sehr sich die Leute nach geistlicher Fuehrung sehnen) haben sie auch schon gesehen, und so setzen wir uns auf wild zusammengenagelte Hocker in den Schatten eines kleinen Baumes.
Ich stelle mich kurz vor, in der Zwischenzeit kommen die Familienangehoerigen zusammen. Fuenf Kinder zwischen 2 und 7 und ihr Onkel mit seiner Señora. Um den Onkel dreht sich auch das erste Gespraech. Er ist von Geburt an fast stumm und leicht koerperlich behindert. Er hat geweinte, denn die Muchachos, das sind die jugendlichen, halbstarken Burschen, die auf der Strasse rumlungern, hetzen Hunde auf ihn wenn er auf die Strasse geht und auch so spielen sie ein sehr boeses Spiel mit ihm, noch dazu findet erkeine Arbeit und kann so seine Familie nicht unterstuetzen In der Zwischenzeit zupft ihr zweijaehriger Sohn an ihrem Rock. Er hat noch nichts gefruehstueck und hat soviel Hunger. Sie gibt ihm einen Boliviano, und wirklich, der Knirps zieht los und kauft sich sein eigenes Brot. “Das ist ja noch gar nichts” sagt sie als sie meine Verwunderung merkt, “Vorgestern hat er die Sirene des Altmetallhaendlers gehoert, er war allein zuhause, da hat er sich den Sack mit Dosen geschnappt und ist auf die Strasse raus um sie ihm zu verkaufen”. Ein zweijaehriger, der wegen seines Hungers Dosen verkauft und Brot einkauft, beeindrucken und sehr erschreckend.
Dann erzaehlt sie weiter. Ihr neuntes Kind wird bald auf die Welt kommen, ihr jetztiger Mann ist der Vater der letzten vier. Er kommt aber erst in zwei Wochen wieder (bei unserem naechsten Besuch eine Woche spaeter hat sie schon ein Neugeborenes im Arm, auf die Welt gekommen in einer Einzimmerholzhuette in der 10 Menschen leben).
Dina und ich haben derweil einen Entschluss gefasst. Durch einen Spendenaufruf haben wir genug Geld zusammenbekommen um fuer 4 Familien ohne Heim ein Haus zu bauen. Auf einer Baustelle werden wir den Stummen Onkel als Hilfsarbeiter anstellen, und so ist fuer mehrere Wochen ein einen guter Verdienst sicher, und zumindest fuer einige Zeit sind die Sorgen weniger. Noch eine halbe Stunde reden wir und lernen einiges ueber die Familie. Auch wir erzaehlen vieles. Dina, die selber sovieles durchgemacht hat, erzaehlt wie sehr ihr das Vertrauen auf Christus Hoffnung gegeben hat wie sie schon zum sterben bereit war. Ich erzaehle ihnen die Geschichte des heiligen Sklavenmaedchens Josefa Bakhita, von der Benedikt XVI in seiner letzten Enzyklika ueber die Hoffnung erzaehlt.
Die ganze Zeit schon schauen die Kinder ineressiert auf den Gitarrrensack, endlich nehme ich sie heraus, und spiele ihnen Johnny Cash´s “Folsom Prison” in einer sehr rockigen Version vor. Das gefaellt ihnen. Gemeinsam singen wir dann eine Reihe von Kirchenliedern die alle kennen. Dann lesen wir eine Lesung aus dem Evangelium. Diesmal lesen wir die wichtige Stelle aus Mathaeus 6: “Seht die Voegel des Himmels...”. Dann spielt der fast stumme Onkel sehr beruehrend auf seiner Floete. Wir sprechen einige Bitten und Danksagungen, beten ein Vaterunser und ein Ave Maria und dann geht es weiter.
Das schoenste an den Besuchen ist die Offenheit der Menschen. Sie nehmen uns auf, erzaehlen uns, hoeren zu, und das allerschoenste: das Wort Gottes hat fuer sie Autoritaet, sie nehmen die Bibel ernst und nehmen sie liebevoll auf.
Katechesen unter den verschiedensten Umstaenden sind ein weiterer wichtiger Teil meines Voluntariats. Oft ist es die Vorbereitung auf die Erstkommunion im Campo, oder ein Kurs fuer die Lideres Religiosas, die die Wortgottesdienste im Campo halten und die kleinen Gemeinden leiten. Getauft und glaeubig sind hier die meisten Menschen, was fehlt ist Glaubenswissen um den Glauben zu festigen. Auf unseren Besuchen bei den Familien haben wir auch gemerkt, wieviele Familien keine Bibel haben. So haben wir Bibelkurse in den Barrios begonnen. Durch Spenden aus Oesterreich konnten wir den treuen Teilnehmern auch schon eine Bibel schenken. Die Bibel zu kennen ist ueber dies der beste Schutz gegen die Halbwahrheiten und Verdrehungen die hier oft von verschiedenen Evangelikalen Christen verbreitet werden. Kennt man das Ganze, kann ein herausgepickter Vers nicht mehr so erschrecken.
Weihwasserkatechese beim Rasenmaehen
Eine kleines Erlebnis beschreibt gut einige der Probleme, mit denen wir uns in der Pastoral und der Verkuendigung herumschlagen muessen, aber auch wie leicht oft die Loesung ist.
Ich war gerade dabei den Rasen zu maehen, auch solche arbeiten sind ein wichtiger Teil des lebens im Konvent San Franciso, als mich eine vielleicht 40 Jaehrige Frau zu sich winkte. Uebrigens mit einer Handbewegung von oben nach unten, was bei uns ducken heissen wuerde. Unsere Handbewegung fuer “Komm her!” bedeutet hier “Iss ess!”, was bei den Ministranten zu beginn zu grosser Verwirrung (“Warum wolltest du, dass wir waerend der Messe was essen?”) und bei mir fuer Verzweiflung gesorgt hat (“Bitte begleitet doch einfach das Evangelium mit den Kerzen, kommt doch her, warum schaut ihr nur verwundert und tut nichts, bitte…”). “Warum hat sie den 3 grosse Plastikflaschen unter dem Arm?” wunderte ich mich. “Hermanito, ich brauche unbedingt 6 Liter Weihwasser, unbedingt!”-“Warum bitte brauchen sie so viel Weihwasser, ein bischen was haben wir noch da aber…”- “Nein, ich darf nur Weihwasser trinken und nichts anderes, ich bin so krank und weis nicht was es ist, der Wunderheiler hat mir das aufgetragen. Ich lebe im Campo darum brauch ich soviele.” Ich war ein bischen verdutzt, und begann ihr zu erklaeren was Jesus nach sovielen Heilungen sagt: “Liebe Señora, in der Bibel, da sagt Jesus zu den geheilten meistens >>Dein Glaube hat dich geheilt<<, sie brauchen nicht Weihwasser trinken (besonders wo das Weihwasser hier voll von Zuckmueckenlarven und aehnlichem ist). Trinken sie sauberes Wasser, sprechen sie selber ein Gebet und bitten sie um Gottes Segen”-“Hermanito, sie meinen, Ich muss nicht Weihwasser trinken? Da spar ich mir ja das ganze Flaschenschleppen. Danke”. Dass war eine denkbar kurze Katechese, hat aber zumindest ein bischen geholfen. So schoen und einfach kann man hier manchmal seine Aufgabe erfuellen, und “seine Brueder staerken” (Lk 22,32).
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So verbleibe ich bis zum naechsten mal und wuensche euch Gottes reichen Segen
Euer
Ruben Weyringer
Spendenkonto:
Kontonummer: 3207222
BLZ: 34400
Raiffeisenb. Ottnan-Wolfsegg BST. Ottnang
Empfaenger: Bruder Andreas Missionsarbeit Bolivien
Kennwort: Casa Doña Virginia
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Ich war gerade dabei den Rasen zu maehen, auch solche arbeiten sind ein wichtiger Teil des lebens im Konvent San Franciso, als mich eine vielleicht 40 Jaehrige Frau zu sich winkte. Uebrigens mit einer Handbewegung von oben nach unten, was bei uns ducken heissen wuerde. Unsere Handbewegung fuer “Komm her!” bedeutet hier “Iss ess!”, was bei den Ministranten zu beginn zu grosser Verwirrung (“Warum wolltest du, dass wir waerend der Messe was essen?”) und bei mir fuer Verzweiflung gesorgt hat (“Bitte begleitet doch einfach das Evangelium mit den Kerzen, kommt doch her, warum schaut ihr nur verwundert und tut nichts, bitte…”). “Warum hat sie den 3 grosse Plastikflaschen unter dem Arm?” wunderte ich mich. “Hermanito, ich brauche unbedingt 6 Liter Weihwasser, unbedingt!”-“Warum bitte brauchen sie so viel Weihwasser, ein bischen was haben wir noch da aber…”- “Nein, ich darf nur Weihwasser trinken und nichts anderes, ich bin so krank und weis nicht was es ist, der Wunderheiler hat mir das aufgetragen. Ich lebe im Campo darum brauch ich soviele.” Ich war ein bischen verdutzt, und begann ihr zu erklaeren was Jesus nach sovielen Heilungen sagt: “Liebe Señora, in der Bibel, da sagt Jesus zu den geheilten meistens >>Dein Glaube hat dich geheilt<<, sie brauchen nicht Weihwasser trinken (besonders wo das Weihwasser hier voll von Zuckmueckenlarven und aehnlichem ist). Trinken sie sauberes Wasser, sprechen sie selber ein Gebet und bitten sie um Gottes Segen”-“Hermanito, sie meinen, Ich muss nicht Weihwasser trinken? Da spar ich mir ja das ganze Flaschenschleppen. Danke”. Dass war eine denkbar kurze Katechese, hat aber zumindest ein bischen geholfen. So schoen und einfach kann man hier manchmal seine Aufgabe erfuellen, und “seine Brueder staerken” (Lk 22,32).
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Euer
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